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Corona-Pause, der mögliche Re-Start, Hoffnungen auf den Aufstieg und die Planungen für die kommende Saison

Interview mit Geschäftsführerin Anne Cirener

Corona-Pause, der mögliche Re-Start, Hoffnungen auf den Aufstieg und die Planungen für die kommende Saison. Eine dreiteilige Interview Serie aus unterschiedlichen Blinkwinkeln. Im ersten Teil des Interview-Marathons haben wir Schatzmeisterin und Geschäftsführerin Anne Cirener über die Planungen und die Arbeit hinter den Kulissen gesprochen.

Hallo Anne, Corona dauert derzeit noch an und deshalb sind auch keine Spiele möglich. Wie kann man sich die wirtschaftliche und gleichzeitig sportliche Planung für die anstehende Spielzeit vorstellen?

Die wirtschaftliche und auch sportliche Planung war schwierig, weil wir sehr lange nicht wussten, was geplant werden soll, Abbruch der Saison oder Weiterführung, welche Mannschaft in welcher Liga. Erst am 08. Juni hat der BFV entschieden die Saison bei den Juniorinnen fortzuführen und erst am 15. Juni kam das offizielle Schreiben des Süddeutschen Fußballverbandes die Saison abzubrechen. In der Summe heißt dies für uns, Frauen 1 spielt eine neue Saison 2020/2021 während alle anderen Mannschaften die Saison 2019 /2020 zu Ende spielen werden. Leider hat es aufgrund der Quotientenregelung bei der Wertung der abgebrochenen Saison in der Regionalliga ganz knapp nicht zu einem Aufstieg in die 2. Liga gereicht. Sportliche Leitung und Scouting haben ihre Arbeit aus dem Winter aber unbeirrt fortgeführt und für die diversen Szenarien geplant. Im Falle eines Abbruchs der Saison bei den Juniorinnen hätten wir ja jetzt den sonst üblichen „Jahrgangswechsel“ komplett vollziehen müssen. Im Frauenbereich ist die Kaderplanung abgeschlossen, in der Jugend warten wir dringend auf die Platzfreigabe durch die Stadt, um Sichtungstrainings durchführen zu können. Ich bin den Trainern sehr dankbar, dass sie in den zurückliegenden Wochen den Kontakt zu den Spielerinnen gehalten und diese mit Lauf- und Athletikplänen versorgt oder Cyber-Trainingseinheiten gestaltet haben.

Wir haben in den letzten Wochen der Entscheidungsfindung bei den diversen Verbänden versucht unsere Interessen darzustellen und auf Probleme hinzuweisen, die entstehen können bzw. entstanden sind. En detail sind aber viele Fragen offen zum Spielerwechsel, zu Spielberechtigungen etc., die uns bisher noch nicht beantwortet wurden.

Da die Frage der Ligazugehörigkeit lange offen war, ebenso die Frage Saisonfortführung und wenn ja in welcher Form, kann und konnte kein wirtschaftlicher Bedarf ermittelt werden. Da aus der Regionalliga niemand absteigen wird, vergrößert sich die Liga auf 16 Mannschaften, die in 2 Gruppen nach regionalen Gesichtspunkten aufgeteilt werden sollen. Anschließend werden die jeweils ersten vier die Meisterschaft in einer Gruppe und die jeweils letzten vier den Abstieg in einer anderen Gruppe ausspielen. Z.B. Fahrtkosten sind nicht abzusehen. Am 06. Juni hat der BFV mitgeteilt, dass es im Seniorenbereich keine Saison 2020/2021 geben wird. Stattdessen soll es „attraktive Zusatzangebote mit sportlichem Wert“ geben. Was dies aber in Bezug auf Schiedsrichter- oder Fahrtkosten heißt kann derzeit nicht abgeschätzt werden.

Wir haben einige längerfristige Sponsorenverträge, was uns ein gewisses Maß an Sicherheit gibt, auf der anderen Seite fehlen uns Spendenzusagen. Wir haben in den zurückliegenden Wochen natürlich auch in diesem Bereich gearbeitet aber über die allgemeine wirtschaftliche Situation muss wohl derzeit nichts mehr gesagt werden. Aus diesem Grund haben wir einen engen finanziellen Rahmen für die nächsten Monate vorgegeben.

Gibt es aufgrund der Pandemie auch wirtschaftliche Auswirkungen auf Verein und Mannschaften?

Wir haben – noch - nicht das Budget zur Verfügung wie in den Vorjahren, aber wir werden zurechtkommen.

Anne, bist Du die Spielverderberin wenn es um neue Verpflichtungen geht?

Kurzfristig ja, langfristig nein.

Es ist die Aufgabe der Sportlichen Leitung im Rahmen der Kaderplanung das bestmögliche zu wollen und die Aufgabe des Schatzmeisters zu prüfen, ob es in die Vorgaben passt. Da der Rahmen aber i.a. früh genug steht, kommt es selten zu größeren Divergenzen.

Der Vorstand ist sich einig, keine finanziellen Risiken einzugehen oder Schulden zu machen. Wir möchten langfristig von Jahr zu Jahr das zur Verfügung stehenden Budget erhöhen, um sukzessive die Strukturen etc. noch professioneller gestalten zu können, was letztendlich auch neue Verpflichtungen betrifft. In diesem Jahr hat uns leider die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wie siehst Du die Entwicklung des Vereins von Deinen Anfangszeiten bis jetzt?

Es wurde sehr viel in dem für Außenstehende nicht sichtbaren Bereich geändert. Es wurden Strukturen aufgebaut, die uns nunmehr in diversen Bereichen zielgerichtet arbeiten lassen. Das Wesentliche ist aber, dass wir die Trennung der Bereiche Jugend und Erwachsene aufgehoben und durchlässig gestaltet haben.

Im Grunde hast Du Einblick in alle Bereiche, ist das nicht eine hohe Verantwortung die man täglich spürt?

Als Geschäftsführerin muss man in alle Bereiche Einblicke haben, das macht es ja so spannend und interessant. Ich gebe zu manchmal schlecht zu schlafen, aber man wächst ja auch mit seinen Aufgaben.

Eigentlich bin ich sehr stolz auf das, was wir als kleiner Verein mit knapp 200 Mitgliedern alles schaffen. Dahinter steht seit Jahren eine tolle Mannschaft, die das ganze ehrenamtlich leistet, denen ich bei dieser Gelegenheit herzlich danke. Wir können aber auch in allen Bereichen Verstärkung brauchen, einfach melden.

Und welche Bereiche bedürfen einem größeren Zeitaufwand, im Vergleich zu anderen?

Im Laufe eines Jahres wechselt das. Im Winter bestimmen Mitgliederverwaltung, Bestandsmeldungen etc. die Arbeit, dann sind Lizenzierungsverfahren zu machen und Zuschussanträge zu stellen. Im Sommer sind dann Mannschaften zu melden und es ist Wechselfrist, Spielerinnen kommen und gehen, d.h. Spielberechtigungsanträge sind zu bearbeiten, Ausbildungsentschädigungen zu verhandeln etc. Danach geht es um die konkrete Ausgestaltung der Spielpläne, welche Mannschaft spielt wann wo um wieviel Uhr, welche nutzt welchen Bus etc.

Wie siehst Du die derzeitige sportliche Lage? Ausgenommen die 1. Mannschaft, führen alle anderen Teams die Saison fort, war das auch der Wunsch des Vereins?

Der Wunsch des Vereins war, die Saison bei allen Mannschaften abzubrechen. In dem vom BFV erfragten Meinungsbild haben wir das auch in der Form kommuniziert. Aktuell ist der BFV der einzige Landesverband, der die Saison fortführt. Das führt zu Problemen in diversen Bereichen, die aktuell nicht geklärt sind, wie schon erwähnt.

Sportlich sehe ich unsere Teams sehr gut aufgestellt. Die 1. Frauenmannschaft bleibt bis auf 2 Abgänge zusammen, die 3 -4 Neuzugänge werden das sicherlich kompensieren. Das Ziel ist klar und ich wünsche mir, dass sich die Mädels für ihren sehr hohen Einsatz belohnen können. Die U23 hat es in den zurückliegenden anderthalb Jahren geschafft, sich zu stabilisieren und hat eine sehr gute Hinrunde gespielt. Aktuell stehen sie auf Platz 2 mit drei Punkten Rückstand auf den Tabellenersten. Ich bin sehr optimistisch, dass sie den Rückstand aufholen werden. Das ist ein Vorteil der Saisonfortführung. Die Dritte spielt im 2. Jahr in der BOL eine ausgeglichene Saison.

In der Jugend hat im Sommer 2019 nach dem Bundesligaabstieg ein kompletter Neuaufbau stattgefunden. Das gesteckte Ziel des Wiederaufstiegs der U17 wurde/wird verfehlt. Die intensive Arbeit im Scoutingbereich vom Winter bis jetzt bringt hoffentlich die notwendigen Verstärkungen. Zusammen mit dem neuen Trainerteam bin ich optimistisch, die laufende Saison im Mittelfeld abzuschließen und in der dann hoffentlich im Winter beginnenden neuen Saison wieder um den Aufstieg mitspielen zu können. Für die U16 ist das übergeordnete Ziel für die Rückrunde, den Abstieg zu verhindern. Da aber auch hier Verstärkungen kommen, sehe ich das optimistisch.

Was sind noch die mittelfristigen Ziele und was kann man noch erwarten in Zukunft?

Das mittelfristige Ziel für die Erste ist die 2. Frauen-Bundesliga und für die U17 die Juniorinnen-Bundesliga. Um einen vernünftigen Unterbau zu haben, sollte die U23 in der Bayernliga Fuß fassen und die U16 in der Bayernliga. Eines der vor Corona am heißesten diskutierten Themen ist die Förderung von Mädchen. Die strikte Linie des BFV alle Mädchen in Jungenmannschaften spielen zu lassen, folgen wir nicht. Wir halten das ausschließlich bei den Top-Talenten für angebracht. Von daher möchten wir mehr Mädchen selber ausbilden, in eigenen Mannschaften aber auch in Camps oder Fußballschulen. Wir möchten die Anlaufstelle für den Mädchenfußball in Nordbayern werden.