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365 Tage Hochbetrieb hinter den Kulissen

Interview mit unserem Kaderplaner Christian Goebel

Die Saison begibt sich langsam in die finale heiße Phase, im Verbandspokal steht das Halbfinale auf dem Programm und neben der Arbeit auf dem Platz wird schon kräftig an den Planungen für die nächste Saison geschraubt. Zeit sich mit unserem Kaderplaner Christian Goebel über den aktuellen Stand des Teams für die Saison 2019/20, die Grundsätze im Scouting und den Standort Nürnberg zu unterhalten.

Wie schätzt du die Entwicklung des aktuellen Kaders ein, wurde der Grundstein für die nächsten Jahre schon gelegt und wo seht ihr noch besonderen Handlungsbedarf?

Christian Goebel: “Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des Kaders. Schon seit Jahren zeichnet uns aus, dass wir sehr ausgeglichen besetzt sind. Dies ist ganz klar eine unserer Stärken, da wir so Ausfälle deutlich besser ersetzen können, ohne an Qualität zu verlieren. Es hält den Konkurrenzkampf hoch, sodass sich die Mädels gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. Wenn ich den heutigen Kader mit dem von vor drei Jahren vergleiche, hat sich einiges getan. Die Mischung zwischen jungen und erfahreneren Spielerinnen stimmt.

Wir profitieren natürlich auch von unserer ausgezeichneten Jugendarbeit, wo wir es in den letzten Jahren geschafft haben, einige Talente zu halten und nicht an höherklassige Vereine zu verlieren. Hinzu kommen Verstärkungen von außen – in der Regel dann auch von höherklassigen Vereinen, die Erfahrung haben und nicht lange brauchen, bis sie das Niveau des Kaders anheben.

Natürlich müssen wir aber auch an der ein oder anderen Stelle nachlegen. Zum Einen, da Spielerinnen aus privaten oder beruflichen Gründen Pausen einlegen und somit Lücken in den Kader reißen, aber auch um im Vergleich zum Rest der Liga nochmal den entscheidenden Schritt weiter nach vorne gehen zu können. Man sieht dies auch anhand der aktuellen Tabelle. Viele Mannschaften, die nun am Tabellenende stehen, waren vor zwei Jahren noch ganz vorne mit dabei und haben nicht unbedingt an Qualität verloren. Doch die Konkurrenz in der Liga ist einfach stärker geworden – nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch tatsächlich auf dem Transfermarkt im Werben um Verstärkungen. Hier suchen wir aktuell für die kommende Saison noch ganz konkret für zwei bis drei Positionen nach Verstärkungen.”

Seit wann und wie intensiv beschäftigst du dich in Abstimmung mit der sportlichen Leitung und dem gesamten Trainerteam mit der Kaderplanung für die kommende Saison?

Christian Goebel: “Da kann man eigentlich gar keinen genauen Zeitpunkt benennen. Eigentlich beschäftigten wir uns das gesamte Jahr mit unserer Kaderplanung und potenziellen Verstärkungen. Zum Teil werden Neuzugänge sogar über mehrere Jahre vorbereitet. Dies bedarf einer Kontaktpflege und einem regelmäßigen Austausch mit den Spielerinnen. Im Allgemeinen möchten wir aber natürlich frühzeitig Planungssicherheit für eine Saison haben, so werden in der Regel im Herbst/Winter die Gespräche konkreter, so dass wir spätestens im Frühjahr verbindliche Zusagen für die kommende Saison erhalten. Aber natürlich muss man auch immer spontan, aufmerksam und mutig bleiben. Wenn sich kurzfristig geeignete Optionen ergeben, wollen wir natürlich da sein.”

Wie lange beobachtet ihr einen potentiellen Neuzugang und was müssen sie mitbringen?

Christian Goebel: Dies ist relativ unterschiedlich. Im Gegensatz zu den konkreten Gesprächen, die manchmal schnell gehen müssen oder eben länger vorbereitet werden, gehen wir bei der sportlichen Entscheidung relativ strukturiert vor. Hier profitieren wir unter anderem auch von den Männern, mit denen wir uns bei Bedarf auch zu weiblichen Spielerinnen austauschen und die uns das ein oder andere Mal auch gute Hinweise geben. Wir bedienen uns an Datenbanken und Videos, die öffentlich sind, aber natürlich lassen wir Spielerinnen auch filmen. Im Prinzip beobachten wir einen potentiellen Neuzugang auch mindestens einmal in einem Pflichtspiel und/oder laden ihn zu einem Probetag beim FCN ein. Da wird nicht nur trainiert, sondern z.B. auch gemeinsam gegessen und sich ausgetauscht. Hintergrund ist der, dass nicht nur die sportlichen Fähigkeiten bei uns eine Rolle spielen, sondern auch immer die menschliche Seite. Ein Neuzugang muss menschlich auch immer in die bestehende Mannschaft hineinpassen. Das sind Faktoren, die für eine längere erfolgreiche Zusammenarbeit unabdingbar sind.

Die Konkurrenz ist groß, was macht Nürnberg aus deiner Sicht zu einer attraktiven Adresse?

Christian Goebel: Ja, das ist wie ich ja auch schon angedeutet habe richtig. Da wir ähnlich wie bei den Männern jetzt auch nicht zu den Clubs gehören, die finanziell die ganz großen Transfers stemmen können, müssen wir mit anderen Argumenten überzeugen. Hier sind wir jedoch gut aufgestellt. Die Metropolregion Nürnberg bietet mit Hochschulen und zahlreichen Unternehmen viele Optionen, um neben der sportlichen Entwicklung auch beruflich weitere Schritte zu gehen. Für jüngere Spielerinnen ist und bleibt die Kooperation mit der Bertolt-Brecht-Schule ein tolles Angebot. Wir profitieren zudem von der Infrastruktur der Männer, was beispielsweise die Plätze angeht. Wir haben denselben Ausrüster und können ein bischen Profiluft schnuppern, da man immer wieder hautnah dabei ist. Aber auch bei uns im Damenbereich müssen wir uns nicht verstecken. Um unser Trainerteam beneiden uns viele Clubs, jede einzelne Spielerin ist für Außenstehende sichtbar in den letzten Jahren in dieser Konstellation besser geworden. Die Stimmung ist prima und auch die sportliche Qualität wie eingangs berichtet, ist auf einem tollen Niveau. Dies zeigt sich auch regelmäßig in den Vorbereitungen, in der Zweitligisten regelmäßig souverän geschlagen werden und was aufzeigt, dass die ambitionierten Ziele in jedem Fall auch erreichbar sind. Insbesondere als junge Spielerin kann man sich in Nürnberg entwickeln, bekommt Spielzeit und kann den nächsten Schritt in der sportlichen Entwicklung gehen.